Online Lernvideoserie

Wie kreiert man eine Online Lernvideoserie?

Wie funktioniert ein Lernvideo und was macht ein gutes Lernvideo überhaupt aus? Damit habe ich, Hanna, mich im Rahmen meiner Bachelorarbeit 2018 beschäftigt und bin tiefer in die Thematik der “Online Lernvideos” und der “Didaktik” eingetaucht. Zum einen, da ich selbst ein großer Fan von Tutorials und Lernplattformen wie Skillshare bin und zum anderen, weil es sich bei vielen unserer Projekte um Erklärvideos handelt und ich gerne noch bessere und effizientere Videos für unsere Kunden produzieren möchte. Das Resultat meiner Arbeit war neben einer ausführlichen Thesis auch ein 3-teiliger Lernvideo Kurs zum Thema “Belichtung an der Kamera”, bei dem ich meine Erkenntnisse über erfolgreiches Lernen in einen Videokontext übersetzte und die gelernten Techniken direkt anwenden konnte. Die jeweils 3-minütigen Videos sind eine Mischung aus Motion Graphics und Realfilm und erklären die wichtigsten Begriffe Blende, Belichtungszeit und ISO.

Was macht ein gutes Lernvideo aus?

Lernvideos sind aktuell sehr gefragt und das nicht ohne Grund. Sie ermöglichen es, innerhalb kürzester Zeit durch die Kombination von Grafiken, Bild und Ton eine Menge an Informationen zu übermitteln. Doch nicht jedes Lernvideo ist gleich ein gutes Lernvideo. Durch meine Forschung im Bereich Didaktik und Medientherorie konnte ich herausfinden, dass ein gutes Lernvideo immer mit einem durchdachten Konzept beginnt, welches sich der Zielgruppe anpasst und deren Wünsche und Bedürfnisse mit einbezieht. Auch sollten die Inhalte immer situationsnah sein und unnötige Informationen (z.B. auch durch überflüssige Bilder oder Grafiken) sollten vermieden werden. Um komplexere Inhalte besser verständlich zu machen und Überforderung zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Lerninhalte in kleinere Einheiten aufzuteilen, die jeweils aufeinander aufbauen. Auf visueller Ebene kann man das Verständnis der Inhalte vor allem durch eine doppelte Codierung (Wiederholung der Inhalte durch Bild und Ton) verstärken und dadurch, dass Abbildungen lange genug zu sehen sind, dass man sie sehen und verstehen kann. Ein angenehmes Sprechtempo und qualitativ hochwertige Bilder und Ton sind außerdem essenziell für ein gutes Lernvideo.

Konzept – Lernvideos nach Plan

Für den Aufbau meines Lernvideos orientierte ich mich an dem “agilen Vorgehensmodell SAM”, welches aus drei Phasen besteht: Evaluate, Design, Develop. Ich evaluierte zunächst meine Zielgruppe (Phase eins) und entschied ich mich, die Lerninhalte zu “Belichtung an der Kamera” in die drei Bestandteile “Blende”, “Belichtungszeit” und “ISO” aufzuteilen (Phase zwei). Für jedes Video definierte ich sogenannte “Learning Outcomes” bzw. Lernziele, die von den Teilnehmern jeweils am Ende des Videos erreicht werden sollten. Diese beinhalteten neben der Begriffserklärung auch, die jeweilige Rolle für die Belichtung und wie man durch verschiedene Einstellungen das gewünschte Resultat erzeugt. Für die filmische Umsetzung wählte ich eine Mischung aus Frontaltutorial, stillen Bildaufnahmen und Motion Graphics Animation. Das Frontaltutorial bildete die Basis, in der Sachverhalte erklärt werden (und um einen persönliches Bezug zum Zuschauer zu generieren) während zusätzliche Videoclips, stille Bilder und Motion Graphics das Erklärte veranschaulichen und reale, praktische Beispiele liefern. So können selbst komplexe Vorgänge visualisiert werden während die auditive Erklärung die Informationsaufnahme zusätzlich fördert (doppelte Codierung). Am Ende jedes Videos gibt es außerdem eine kleine Aufgabe, um sich praktisch mit dem Thema auseinander zu setzten und das Gelernte direkt anzuwenden. Das fördert das Verständnis und die langfristige Speicherung von neu gelernten Inhalten.

Umsetzung – Storyboard und Dreh

Für den dritten Schritt (Develop) sieht das SAM Modell zunächst eine prototypische Umsetzung mit einfachen Mitteln vor, was in meinem Fall aus einem Skript und einem Storyboard bestand. Dieser Prototyp kann dann bereits von Usern getestet werden und deren Feedback wird in einer zweiten Überarbeitungsschleife mit eingebaut, bevor ein finales Produkt entsteht. Somit konnte ich das Konzept bereits überarbeiten und verbessern bevor ich mit den Dreharbeiten begann. 

Gedreht wurde mit einer Blackmagic Design Ursa Mini Pro 4.6k und einem Zeiss 35mm Filmobjektiv. Das Objektiv eignete sich mit seiner kontinuierlichen Blende vor allem beim Erklären der Blendenstufen. Beim gesamten Dreh hatte ich Hilfe von Dorian, der Kamera führte und den Ton angelte, während ich für die Regie und das Sprechen im Video verantwortlich war. Die Still-Bilder im Video habe ich (teils auch Dorian) mit einer Canon 600D und einem Sigma 35mm f1.4 gemacht, um optimal selbst weit geöffnete Blenden und deren Bedeutung für den Lichteinfall und die Schärfentiefe zu zeigen. Bei der Komposition der Szenen und der Fotos achteten wir stets darauf, genug Platz für die Motion Graphics zu lassen, die anschließend in der Postproduktion erstellt wurden. 

Postproduktion

Der Rohschnitt der Videos war aufgrund der ausführlichen und durchdachten Planung relativ schnell erledigt. So musste ich ich lediglich dem Storyboard folgen und die besten Clips des Fronttutorials ermitteln und zusammensetzten. Mittels Dynamic Link brachte ich den Schnitt anschließend zu Adobe After Effects, um meine Motion Graphics einzupflegen, die ich vorab mit Adobe Illustrator erstellte. Dabei achtete ich auf eine kohärente Bildkomposition und nutze Guidlines, um die Motion Graphics und Stills bei allen drei Videos gleich zu platzieren. Schlussendlich passte ich noch den Ton an und gab den Videos ein einheitliches Grading. Die drei fertigen Videos und ein paar zusätzliche Stills kannst du dir nun hier ansehen:

Was ich gelernt habe und wie es mit dem Projekt weiter geht

Durch meine Bachelorarbeit habe ich sehr viel über Lernen gelernt – wie man Informationen richtig aufbereitet, dabei immer seine Zielgruppe im Kopf hat und das ganze in einem Kontext, der es erlaubt die Informationen aufzunehmen und anzuwenden. Weiterhin habe ich herausgefunden, dass die Aufbereitung von Lerninhalten für Videos bisher kaum erforscht ist, bzw. es keine richtige Anleitung gibt, was man beachten muss und wie man vorgehen soll. Das habe ich im Rahmen meiner Bachelorabeit selbst herausgefunden und möchte daher als zukünftiges Projekt, eine solche “Anleitung” erstellen, um auch anderen zu ermöglichen, ihr Inhalte Schritt für Schritt didaktisch aufzubereiten und als Videokonzept umzusetzen.

Weiterhin möchte ich meinen zunächst prototypisch entstandenen Lernkurs mithilfe des bereits gesammelten Feedbacks überarbeiten und durch ein Introvideo und ein Video zum Thema “Brennweite” erweitern, um ihn als fertigen Kurs für “Kamera Basics” bei Skillshare zu veröffentlichen.